Zum
Buch:
1925 entdeckten Walter Noddack und Ida
Tacke, die spätere Ehefrau von Walter Noddack, die letzten,
noch unbekannten natürlichen und sehr seltenen Elemente
Rhenium und Masurium.
Zehnmal wurden sie in den Jahren 1932 - 1937 für den
Nobelpreis vorgeschlagen. Masurium war bis 1945 umstritten und wurde
dann durch das künstliche Element Technetium ersetzt. Die
wissenschaftlichen Leistungen blieben nicht auf diese
Elemententdeckungen begrenzt, sondern umfaßten auch Ergebnisse
in der Photo- und Geochemie, die bis ans Ende des 20. Jahrhunderts
ihre Bedeutung behielten. Beispiele dafür sind: der
Kohlenstoffkreislauf; Spurenelemente in der belebten und unbelebten
Natur, Nierensteine und deren Auflösung, die Sehfarbstoffe des
menschlichen Auges. Schon 1934 hatte Ida Noddack-Tacke die richtige
Erklärung für die Kernspaltung des Urans vorhergesagt.
Erst kurz vor seinem Tode hat Otto Hahn Ida Noddacks Erkenntnis aus
dem Jahre 1934 mit den Worten : "Und die Ida hatte doch Recht"
anerkannt.
Kongress in Moskau.
Die NODDACKs hatten im September 1934
am Mendelejeff Kongreß in Moskau als deutsche
Regierungsvertreter teilgenommen und waren dabei zu einer längeren
Besichtigungsreise durch den europäischen Teil der Sowjetunion
eingeladen worden.
NODDACK hielt in der PTR einen Vortrag über die
wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
in der UdSSR, in dem er zu wesentlich anderen Ergebnissen kam, als
sie in der damaligen Tagespresse zu finden waren. NODDACK wurde der
Verdacht, ein bezahlter Agitator der Russen zu sein, angehängt.

Das gezeigte Bild aus dem illustrierten Kongreßbericht der
Prawda wurde von der NS-Zeitung "Der Angriff" in ihrer
Ausgabe vom 27. September 1934 mit der Bildüberschrift "Moskau
- pikant und schmackhaft" übernommen. In dem Bild umrahmen
die NODDACKs einen Gelehrten mit einer Baskenmütze im Gespräch
mit Walter NODDACK Dieser Gelehrte (wer er wirklich war, läßt
sich leider heute nicht mehr feststellen) entsprach in seinem
Erscheinungsbild dem von den Nationalsozialisten bekämpften und
verachteten Menschentyp.
Inhaltsverzeichnis
INHALTSVERZEICHNIS
3
Vorwort des Verfassers 4
Zur Einführung 11
Die Entdeckung der Ekamangane 37
Gewinnung von einem Gramm RHENIUM 64
Das Element 43 MASURIUM oder TECHNETIUM ?
75
Walter NODDACK als Photochemiker 102
Allgegenwärtigkeitstheorie der Elemente
und Herkunftsuntersuchungen 115
Im Schatten des Nationalsozialismus.
An der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt
in Berlin 124
Als Professor in Freiburg 1935 bis 1940
149
Walter NODDACK und die Thermodynamik
163 .
Geochemie und das Lebensgleichgewicht
179
Vorhersage 1934 und Entdeckung der
Kernspaltung 1939 195
Von FREIBURG nach STRASSBURG 234
Flucht nach Oberfranken und Kriegsende
247
Die gemeinsamen Jahre in Bamberg 260
Ida NODDACKs Krankheit und Walter NODDACKs plötzlicher
Tod 292
Ida NODDACK als Witwe in Bamberg 298
In Bad Neuenahr - Lebensabend im Augustinum
und Sterben 311
Nachwort 326
Quellenverzeichnis 329
In der FAZ vom
19.9.1996 erschien ein Leserbrief zum Thema "Ida Noddacks
Beteiligung an der Entdeckung der Kernspaltung" mit der Überschrift
Spät gewürdigte Entdeckerin des Uranzerfalls
Zum
Artikel von Rainer Flöhl "Kritik am Stockholmer
Nobelkomitee" (F.A.Z., "Natur und Wissenschaft" vom
7. August) und zu den Briefen der Leser Dr. Joachim Rasch und
Professor Dr. Max Frimmer (beide F.A.Z. vom 20. August): Bei der
Schilderung der Vorgeschichte der Entdeckung der Kernspaltung ließ
der Artikel den Namen einer anderen Frau unerwähnt, und zwar
Ida Noddack Tacke. Schon seit 1929 hatten sie und ihr Ehemann nach
natürlichen Transuranen gesucht und galten weltweit als führende
Fachleute für die Analyse seltener Elemente. Sie sammelten alle
Veröffentlichungen, in denen über Transurane berichtet
wurde. Der italienische Kernphysiker Enrico Fermi hatte 1934 Uran
mit Neutronen beschossen und dabei auch ein unbekanntes Radioelement
abtrennen können, dessen Eigenschaften er dem Element 93, einem
sogenannten Transuran, zuordnet.
Ida Noddack ging in einem Artikel für die "Angewandte
Chemie" vom 10. September 1934 auf diesen Bericht über
Transurane ein und wies anhand der Ergebnisse nach, daß die
von Fermi beschriebenen Eigenschaften für ein Element 93 nicht
zutreffen konnten. Sie schrieb dann als ein mögliches Ergebnis:
"Es wäre denkbar, daß bei der Beschießung
schwerer Kerne mit Neutronen diese Kerne in mehrere größere
Bruchstücke zerfallen, die zwar Isotope bekannter Elemente,
aber nicht Nachbarn der bestrahlten Elemente sind." So etwas
wurde aus energetischen Gründen damals einfach für unmöglich
gehalten. Später erzählte sie Robert Jungk: "Als mein
Mann 1935 oder 1936 Hahn einmal mündlich darauf hinwies, er
solle doch bei seinen Publikationen meine kritische Bemerkung der
Fermischen Versuche wenigstens zitieren, da antwortete Hahn, er
wolle mich nicht lächerlich machen, meine Annahme von einem
Zerplatzen des Urankerns in größere Bruchstücke sei
doch absurd."
Zur Jahreswende 1938/1939 finden Otto Hahn und Fritz Straßmann
bei einer Wiederholung des bereits erwähnten Fermischen
Versuches, daß sich bei der Beschießung schwerer Kerne
mit Neutronen Barium und vielleicht Lanthan und Cer gebildet haben.
Eine Arbeit der Joliots, im Herbst 1938 veröffentlicht, in der
sie behauptet hatten, beim Beschuß von Uran mit Neutronen sei
ein Körper entstanden, der dem Lanthan sehr ähnlich sei,
motivierte Straßmann, Hahn zu neuen Versuchen zu bewegen.
Schließlich willigte Hahn ein, und die Versuche führten
zu dem eindeutigen Ergebnis, daß sich bei der Beschießung
schwerer Kerne mit Neutronen Barium und vielleicht Lanthan und Cer
gebildet haben und nicht, wie zunächst angenommen worden war,
Transurane oder Radium-, Thor- oder Actinium-Isotope.
In der sofort eingeleiteten Veröffentlichung von Hahn, in der
das Entstehen von Barium anstelle der erwarteten Transurane
festgestellt wird, fehlt der Hinweis auf die von Ida Noddack 1934
veröffentlichte These, daß Uran "in größere
Bruchstücke zerfallen" könnte. Sie las Hahns Bericht
und fuhr von Freiburg sofort nach Berlin. Nach einem lauten Gespräch
zwischen ihr und Otto Hahn im Januar 1939 im Kaiser Wilhelm-Institut
Berlin-Dahlem, über dessen Einzelheiten nichts bekannt wurde,
mahnt sie ihn öffentlich in der Zeitschrift "Naturwissenschaften",
ihr wenigstens eine Fußnote zu widmen. Diese Mahnung wird von
Otto Hahn, auch auf Anraten von Lise Meitner, kategorisch
abgewimmelt. Sein Kommentar: "Er habe weder Lust noch Zeit, auf
die Notiz von Ida Noddack zu antworten". Eine unverständliche
Ignoranz drückt sich in dieser Antwort aus, an der Otto Hahn
lange Jahre festhielt. Ida Noddack hat Hahns Verhalten nie
verstanden. Erst nach mehr als 20 Jahren erkannte auch er ihr
Verdienst an der Entdeckung der Kern-spaltung in einem Interview mit
den Worten "Und die Ida hatte doch recht" an.
Dr. Hans Georg Tilgner, Mülheim an der Ruhr
Das
"Spektrum der Wissenschaften" veröffentlichte 1998 im
Heft 8, Seite 10 einen von mehreren Leserbriefen, als im Mai 1998
das "Lise Meitner Buch von Ruth L. Sime" besprochen worden
war, der von mir stammte.
"Lise Meitner und die
Kernspaltung"
Bei
der Schilderung der Entdeckung blieb eine andere Frau unerwähnt,
und zwar die deutsche Chemikerin Ida Noddack-Tacke (1896 bis 1978).
Schon seit 1929 hatten sie und ihr Ehemann nach natürlichen
Transuranen gesucht und galten weltweit als Fachleute für die
chemische Analyse seltener Elemente. Bereits 1934 mutmaßte Ida
Noddack: "Es wäre denkbar, daß bei der Beschießung
schwerer Kerne mit Neutronen diese Kerne in mehrere größere
Bruchstücke zerfallen, die zwar Isotope bekannter Elemente,
aber nicht Nachbarn der bestrahlten Elemente sind." (Uber das
Element 93, in: "Zeitschrift für Angewandte Chemie",
Band 47, Seite 653, 1934). Eine solch kühne Vermutung wurde
damals von den Physikern aus energetischen Gründen noch für
unsinnig gehalten. In einem Bnef an den deutsch-schwedischen
Chemiker Hans von EulerChelpin (1873 bis 1964; Nobelpreis 1929)
schrieb Ida Noddack am 17. Februar 1939: "Kurz nach meiner Veröffentlichung
erschien die erste Arbeit von Hahn und Meitner über ihre
TransuranVersuche, in der sie meine Publikation nicht zitierten. Auf
telefonische Anfrage erklärte Hahn, daß sie meine Arbeit
aus Courtoisie' verschwiegen hätten. Damit meinte er
offenbar, daß die von mir geäußerten Vermutungen für
den radioaktiven Fachmann so unsinnig wären, daß man von
ihnen am besten schwiege [...] Bitte verstehe mich recht, Hans, ich
mache keinerlei Anspruch auf Hahns Entdekkung, er hat die Arbeit
geleistet. Nur das Großartige seiner neuen Annahmen muß
ich schmälern, denn uns erschienen solche Zerfallsprozesse
schon 1934 durchaus wahrscheinlich." Erst nach mehr als 20
Jahren erkannte auch Otto Hahn ihr Verdienst in einem Interview mit
den Worten an: "Und die Ida hatte doch recht." (Die
Bemerkung ist abgedruckt in: Vom Radiothor zur Uranspaltung. Von
Otto Hahn. Vieweg, Braunschweig 1962, Seite 116.)
Dr. Hans Georg Tilgner, Mülheim
an der Ruhr
Anmerkung:
In der in Klammern angefügten Quelle hatte Otto Hahn noch das
Gegenteil behauptet. Der zitierte Ausspruch stammte aus einem späterem
Interview mit Otto Hahn und ist in einer Rundfunksendung des SWF
1968 bzw. 1969 zum30. Jahrestages der Entdeckung der Kernspaltung
wiedergegeben worden. Außerdem findet er sich in "Munzinger
Archiv vom 10. 5. 1980 (Lieferung 19 K 914) zum Sichwort "Ida
Noddack".
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